THEATERWERKSTATT 

Das ist großes Theater: Mitglieder von Laientheater- und Schauspielgruppen im Raum Marktheidenfeld konnten im Rahmen unseres Projekts THEATERWERKSTATT von Profis lernen – und das völlig kostenlos! Geboten wurden vier Wochenend-Workshops zu den Themen Sprechen, Rollenarbeit, Improvisation und Körpersprache. Das Wissen vermittelten hochqualifizierte Dozenten.

Wozu das Ganze:

Ziel der Theaterwerkstatt ist es Akteure aus verschiedenen Theater- und Laienschauspielgruppen im Raum Marktheidenfeld zu vernetzen. Die Teilnehmer hatten die einmalige Gelegenheit neue Techniken, Inputs und Erfahrungen von Experten zu erhalten und in ihre eigenen Gruppen einzubringen.

Workshop SPRECHEN

Vom Potsdamer Postkutscher zur Strassstein-Stretch-Jeans

Ein ganzes Wochenende befassten sich die Laienschauspieler und Theaterinteressierte aus dem Raum Marktheidenfeld intensiv mit dem Thema „Sprechen“.  Als Dozentin konnte Annett Matzke gewonnen werden, die für den Workshop extra aus dem fernen Wien angereist war. Die Professorin für Sprachgestaltung am Max Reinhardt Seminar der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien arbeitet sonst mit angehenden Profis und namenhaften Theatern zusammen.

Für die Theaterwerkstatt der Kommunalen Allianz Raum Marktheidenfeld nahm sie die lange Anreise jedoch gerne in Kauf. Gemeinsam mit Tobias Maehler, erfahrener Kulturmanager und ebenfalls diplomierter Schauspieler, gab sie den Teilnehmern eine Menge an praktischen Übungen und Tipps an die Hand. „Die Stimme ist ein Instrument, das es zu erlernen, pflegen und trainieren gilt“, erläuterte Matzke. Wie viel Spaß dieses Training machen kann, zeigte sich besonders bei den Artikulationsübungen des Profis. Sprüche wie „Der Potsdamer Postkutscher putzt den Potsdamer Postkutschkasten“ oder „Strassstein-Stretch-Jeans“ stellten sich als wahre Zungenbrecher heraus.

Für beste Laune sorgte auch die Überraschung von Bürgermeisterin Agnes Engelhardt, die den Teilnehmern in der Oberndorfer Schulaula eine kleine Stärkung spendierte.

Workshop ROLLENARBEIT

Ich spiele keine Rolle, ich bin die Rolle

Jeder kennt ihr Gesicht – die meisten wohl aus dem Werbespot „Dann klappt‘s auch mit dem Nachbarn“ oder TV-Produktionen wie SOKO Kitzbühel und Der Alte. Maria Bachmann ist erfolgreiche Schauspielerin, Autorin, Regisseurin, Coach und vieles mehr. Jetzt gab sie Laienschauspielern im Rahmen der Theaterwerkstatt der Kommunalen Allianz Raum Marktheidenfeld einen Einblick in ihren beeindruckenden Werkzeugkasten aus 30-jähriger Bühnen- und Kameraerfahrung.

Oft müssen sich Schauspieler mit Rollen auseinandersetzen, die sehr weit weg von ihnen selbst sind.  Bachmann stellte den Theaterbegeisterten deshalb eine Vielzahl an Übungen und Techniken vor, um hierbei Überforderungen und den Rückgriff auf Klischees zu vermeiden.

Der Workshoptitel „Rollenarbeit“ war dabei Programm. Denn die Kunst in eine Rolle zu schlüpfen erfordert eine zeitaufwendige und intensive Auseinandersetzung mit der zu verkörpernden Rolle, der eigenen Persönlichkeit und den eigenen Erfahrungen. „Der Tod einer Rolle ist Allgemeinheit“, erklärt Maria Bachmann. Je tiefer sich ein Schauspieler mit seiner Figur identifiziere, umso glaubwürdiger werde er.

Dies zeigte sich eindrucksvoll in der abschließenden Szenenarbeit, für die Rollen aus dem Spielbetrieb der Theatergruppen Scheckebühne und Grunddörfer bearbeitet wurden. Dazu löcherte Bachmann die Schauspieler mit Fragen zu Umfeld, Biographie und Innenleben ihrer Figur. Auf dieser Grundlage ermutigte sie die Darsteller sich in die jeweilige Situation hineinzuversetzen. Die Tipps und maßgeschneiderten Hilfestellungen des Profis zeigten beeindruckende Wirkung und verliehen dem Spiel Sinn und Glaubhaftigkeit.

Neben Autogrammen und dem ein oder anderen Erinnerungsfoto, konnten die Laienschauspieler sicherlich einiges aus dem Workshop mitnehmen.

Workshop IMPROVISATION

Lust und Mut bedingungslos zu scheitern

Es gibt kein Drehbuch. Nichts ist vorher abgesprochen, keine Inhalte einstudiert. Beim Theaterworkshop „Improvisation“ stellen sich Laienschauspieler und Theaterinteressierte einer echten Mutprobe.

Eine unserer größten Ängste ist die Angst davor, Fehler zu machen. Insbesondere auf der Bühne möchte man unter keinen Umständen versagen. Die Kunst des Improvisierens besteht darin, die Angst vor Fehlern zu überwinden und die Kontrolle abzugeben. Es gehe darum, nicht zu blockieren, sondern alles, was sich der Partner einfallen lässt, als Geschenk anzunehmen und weiterzuspinnen, erklärt Yannick Zürcher, der Leiter des Workshops. Er selbst ist diplomierter Schauspieler, Theaterpädagoge sowie Regisseur und absolvierte mehrere Improvisationsmodule bei Impro-Legende Volker Quandt. Durch eine Förderung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) konnte er für die Theaterwerkstatt der Kommunalen Allianz Raum Marktheidenfeld gewonnen werden. Mit Übungen zur Spontanität, Storytelling und Figurenentwicklung versucht Zürcher den Teilnehmer den Einstieg zu erleichtern. „Haltet es einfach“, lautet einer seiner Ratschläge, und: „Nicht überlegen, nehmt den ersten Gedanken, der euch in den Kopf schießt.“ Was sich im Laufe des Workshops entwickelt ist erstaunlich. Die Schauspieler werden risikofreudiger und ihre Kommunikation untereinander beginnt auf der Bühne zu fließen.

Spontan erfundener Titel für die nächste Aufgabe: „Ein Sommernachtstraum auf der Krokodilfarm – ein Western“. Zwei Damen stellen sich der Herausforderung. Die übrigen Teilnehmer verfolgen begeistert die Entwicklung eins absurden Dramas, das es vorher noch nie gab und das es in dieser Form auch nie wieder auf einer Bühne geben wird. Schade eigentlich, war es doch zum Brüllen komisch.

Workshop KÖRPERSPRACHE

Voller Körpereinsatz

Mit Hilfe von Übungen aus dem Schauspieltraining und der theaterpädagogischen Arbeit entdeckten die Teilnehmer in diesem Workshop die Potentiale der Körpersprache und den intuitiven Zugang zu ihr. Als Dozentin konnte die diplomierte Schauspielerin und ausgebildete Spielleiterin Martina Esser gewonnen werden. Sie ist u.a. am Würzburger Kult-Theater Chambinzky tätig. Mit spielerischen Übungen führte Esser die Schauspieler dazu, ihre Möglichkeiten auszuloten und zu einem intensiveren Spiel zu finden. So steht z.B. bei der Übung „Nur einer geht“ der eigne Impuls und die Verantwortung für die Gruppe im Vordergrund. Dabei läuft eine Person durch den Raum, alle anderen sind erstarrt. Der Läufer fixiert eine Person, erstarrt und bestimmt damit die nächste Person, die zu laufen beginnt. Nachdem die erste Runde abgeschlossen ist, gibt Esser eine neue Regel vor: „Jeder kann zu jeder Zeit los laufen, allerdings darf immer nur eine Person in Bewegung sein.“

Was sich nach dem Heraufbeschwören eines heillosen Chaos anhört, entwickelt sich zu einem faszinierenden Schauspiel. Für Außenstehende scheint es wie ein einstudiertes Stück, das beispielsweise den Titel „Großstadtgewirr“ tragen könnte.

Mit der Bekanntmachung LandKULTUR fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) innovative Projekte, die kulturelle Aktivitäten und kulturelle Teilhabe in ländlichen Räumen erhalten und weiterentwickeln. LandKULTUR ist Teil des Bundesprogramms Ländliche Entwicklung (BULE).